Häufig gestellte Fragen
Hintergründe & Ziele
Warum wird die neue Bioabfallvergärungsanlage gebaut?
Mehrere Kommunen – die Landkreise Neu-Ulm, Alb-Donau-Kreis, Heidenheim, Biberach und Sigmaringen sowie die Städte Ulm und Memmingen – brauchen eine langfristig gesicherte Lösung für ihren Bioabfall. Bestehende Anlagen in der Region haben nicht mehr genügend Kapazitäten. Die Bioabfallmengen steigen weiter, weshalb eine eigene, regionale Anlage ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich vorteilhaft und von externen Anbietern unabhängig ist.
Warum nutzt man nicht einfach bestehende Anlagen?
Schon heute reichen die verfügbaren Kapazitäten in der Region nicht aus – Bioabfälle werden teils über weite Strecken transportiert. Eine eigene Anlage reduziert diese Transportwege, schafft dauerhaft ausreichende Kapazitäten und macht die Entsorgung unabhängiger vom Markt.
Was ist der Zweckverband Bioabfall Schwaben?
Der Zweckverband Bioabfall Schwaben ist ein kommunaler Zusammenschluss von sieben Landkreisen und Städten der Region Schwaben. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach dem Gesetz über die kommunale Zusammenarbeit in Bayern (KommZG) und unterliegt der Rechtsaufsicht der Regierung von Schwaben. Kein privater Investor, kein Gewinninteresse – die beteiligten Kommunen entscheiden gemeinsam, transparent und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger.
Wer ist an dem Projekt beteiligt?
Die acht Verbandsmitglieder sind: Alb-Donau-Kreis, Landkreis Neu-Ulm, Landkreis Sigmaringen, Landkreis Heidenheim, Landkreis Biberach, Stadt Ulm und Stadt Memmingen.
Standort
Warum wird die Anlage in Weißenhorn/Vöhringen geplant?
Der Standort liegt in einem bestehenden Industriegebiet direkt neben dem Müllheizkraftwerk – bewusst außerhalb von Wohngebieten. Das ermöglicht die Nutzung vorhandener Infrastruktur, kurze Wege für die Weiterverwertung von Reststoffen und gute Verkehrsanbindung ohne Ortsdurchfahrten. Zudem ist er für alle beteiligten Kommunen zentral erreichbar.
Warum genau hier – und nicht an einem anderen Standort?
Entscheidend waren mehrere Faktoren: Lage im Industriegebiet, großer Abstand zur Wohnbebauung, gute Verkehrsanbindung ohne Ortsdurchfahrten sowie die Nähe zum Müllheizkraftwerk. Diese Kombination reduziert Belastungen für Anwohner deutlich. Andere geprüfte Flächen konnten diese Anforderungen nicht in gleicher Weise erfüllen.
Welche Vorteile bietet die Nachbarschaft zum Müllheizkraftwerk?
Durch die direkte Nähe zum Müllheizkraftwerk können vorhandene Infrastrukturen gemeinsam genutzt werden, was die Investitionskosten erheblich senkt. Störstoffe wie Plastik aus dem Bioabfall können direkt vor Ort mitverbrannt werden – ohne zusätzliche Transportwege. Auch die Überschusswärme kann potenziell genutzt werden.
Technik & Betrieb
Wie funktioniert die Anlage?
Die Anlage arbeitet nach dem Prinzip der Feststoffvergärung (Trockenfermentation): Der aufbereitete Bioabfall wird unter Ausschluss von Sauerstoff von Mikroorganismen zersetzt. Dabei entsteht methanhaltiges Biogas, das zu Strom und Wärme umgewandelt wird, sowie ein wertvolles Gärprodukt (Nährstoffdünger). Das Verfahren findet vollständig in geschlossenen Systemen statt.
Was passiert mit nicht verwertbaren Stoffen wie Plastik im Biomüll?
Störstoffe wie Kunststoffe werden vor der Verarbeitung aussortiert und durch die direkte Nachbarschaft zum Müllheizkraftwerk dort mitverbrannt. So entstehen keine zusätzlichen Transportwege.
Wie groß wird die Anlage?
Die Anlage ist auf die Bioabfallmengen aller beteiligten Landkreise und Städte ausgelegt, einschließlich saisonaler Schwankungen (z. B. im Sommer) und zukünftiger Entwicklungen. Ziel ist eine Anlage, die langfristig weder über- noch unterdimensioniert ist.
Was passiert, wenn weniger Bioabfall anfällt als geplant?
Die Planung berücksichtigt langfristige Entwicklungen und Schwankungen. Sollte sich die Abfallmenge anders entwickeln als erwartet, kann das Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben. Diese Risiken werden im Vorfeld geprüft und konservativ einkalkuliert.
Energie & Umwelt
Was leistet die Anlage für die Energieversorgung?
Aus dem Bioabfall der Region wird Biogas erzeugt, das in Strom und Wärme umgewandelt wird – rechnerisch genug, um rund 2.800 Haushalte ein ganzes Jahr mit Strom zu versorgen. Das aufbereitete Biomethan wird in das Erdgasnetz eingespeist und kann rechnerisch etwa 1.100 Haushalte mit Wärme versorgen.
Was geschieht mit dem Gärrest?
Der Gärrest (Nährstoffdünger) wird als hochwertiger Dünger in der regionalen Landwirtschaft eingesetzt und ersetzt dort Mineral- oder Wirtschaftsdünger. Die wertvollen Nährstoffe bleiben so in der Region und schließen den Kreislauf.
Welchen Beitrag leistet die Anlage zum Klimaschutz?
Die Anlage trägt auf mehrere Weisen zum Klimaschutz bei: durch die Produktion erneuerbarer Energie, die Vermeidung langer Transportwege, die Einsparung von Mineraldünger durch den Einsatz des Gärrestes sowie durch eine hochwertige Verwertung in einer Vergärungsanlage für Bioabfälle anstelle einer reinen Kompostierung.
Auswirkungen auf Anwohner
Muss ich mit dauerhaften Geruchsbelästigungen rechnen?
Nein. Die Anlage arbeitet mit geschlossenen Systemen und moderner Abluftreinigung mit Biofiltern. Dauerhafte Geruchsbelastungen in Wohngebieten sind nach aktuellem Stand nicht zu erwarten. Kurzzeitige Geruchsmomente können beim Öffnen der Schnelllauftore beim Entladen auftreten – diese bleiben jedoch auf das Anlagengelände im Industriegebiet beschränkt, weit entfernt von Wohngebieten.
Wie viel zusätzlicher Verkehr entsteht?
Es wird zusätzlichen Anlieferverkehr geben – gleichzeitig entfallen bisher notwendige Transporte zu weit entfernten Anlagen, sodass sich Verkehrsströme verlagern und teilweise auch reduzieren. Der Standort ist so gewählt, dass Anlieferungen ohne Belastung von Ortsdurchfahrten möglich sind. Die genaue Anzahl der Fahrten wird gutachterlich ermittelt und im Genehmigungsverfahren offengelegt.
Welche Auswirkungen hat die Anlage auf Grundstücks- und Immobilienwerte in der Umgebung?
Da die Anlage bewusst in einem Industriegebiet und weit entfernt von Wohngebieten errichtet wird, sind nennenswerte Auswirkungen auf Immobilienwerte in der Wohnbebauung nach aktuellem Stand nicht zu erwarten. Im Genehmigungsverfahren werden alle relevanten Auswirkungen auf die Umgebung umfassend untersucht.
Gibt es Lärm durch den Betrieb?
Die Anlage befindet sich im Industriegebiet mit dem gesetzlich dafür vorgesehenen Lärmrahmen. Alle Anlieferungen und Prozesse finden innerhalb dieser Grenzen statt. Die Einhaltung der Lärmgrenzwerte wird im Genehmigungsverfahren geprüft und im späteren Betrieb überwacht.
Kosten & Wirtschaftlichkeit
Was kostet die Anlage – und wer zahlt das?
Die Investitionskosten liegen nach aktuellem Stand bei rund 50 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt durch die beteiligten Landkreise und Städte gemeinsam, ergänzt durch Förderprogramme von Bund und Land sowie Fremdkapital. Die Anlage ist auf eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgelegt – die Investition amortisiert sich über den gesamten Betriebszeitraum.
Werden die Müllgebühren steigen?
Nach aktuellen Berechnungen liegen die Kosten im Bereich der heutigen Entsorgung. Ziel ist es, die Gebühren langfristig stabil zu halten und unabhängiger von Marktschwankungen zu werden. Eine Garantie, dass Gebühren nie steigen, kann es bei einem langfristigen Infrastrukturprojekt nicht geben – das wird offen kommuniziert. Die Kontrolle über die Kostenstruktur liegt jedoch in der Hand der beteiligten Kommunen.
Wer trägt das Risiko, wenn das Projekt teurer wird?
Das wirtschaftliche Risiko liegt bei den beteiligten Kommunen. Mögliche Mehrkosten können daher Auswirkungen auf die Gebühren haben. Genau deshalb wird das Projekt im Vorfeld umfassend und konservativ geprüft. Anders als bei Dienstleistungsverträgen mit privaten Anbietern entscheiden die Kommunen selbst über die Kostenstruktur.
Welche wirtschaftlichen Vorteile bringt eine eigene Anlage gegenüber externen Dienstleistern?
Als Betreiber der eigenen Anlage entscheidet der Zweckverband selbst über die Kostenstruktur und ist nicht von Marktpreisen abhängig. Zusätzliche Einnahmen durch die Vermarktung von Energie und Dünger stärken die Wirtschaftlichkeit langfristig.
Zeitplan & Bürgerbeteiligung
Wann wird gebaut – wann nimmt die Anlage den Betrieb auf?
Der Baubeginn ist für das 1. Halbjahr 2028 geplant, der Regelbetrieb für das 2. Halbjahr 2030.
Wie kann ich mich als Bürgerin oder Bürger beteiligen?
Im immissionsrechtlichen Genehmigungsverfahren werden alle relevanten Unterlagen öffentlich ausgelegt. Bürgerinnen und Bürger können Stellungnahmen abgeben, die geprüft und abgewogen werden. Die Sitzungen der Verbandsversammlung sind öffentlich, Protokolle und Beschlüsse werden veröffentlicht. Die finale Genehmigung erteilt die Regierung von Schwaben als unabhängige Aufsichtsbehörde.
Wie transparent ist das Projekt?
Transparenz ist ein zentrales Anliegen des Zweckverbands – auch über Risiken und offene Fragen wird offen kommuniziert. Alle Gutachten zu Umwelt, Verkehr und weiteren Auswirkungen sind Teil des Genehmigungsverfahrens und werden öffentlich zugänglich gemacht. So kann jede und jeder nachvollziehen, auf welcher Grundlage entschieden wird.
